Feld-Mannstreu

Eryngium campestre
Doldenblütler (Apiaceae)


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Der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre) ist ein in Mitteleuropa häufig bis selten vorkommender Doldenblütler (Apiaceae). Andere, teils regional verwendete oder veraltete Bezeichnungen sind: Donnerdistel, Krausdistel, Gemeine Brachdistel, Rolldistel, Radendistel, Elend, Unruhe.

Beschreibung

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 15 bis 60 cm, kann jedoch auch gelegentlich 1 m erreichen. Sie ist grau bis gelblich-grün gefärbt und sparrig verzweigt. Die ersten Laubblätter sind ungeteilt und von länglicher Gestalt, die späteren sind handförmig-fiederschnittig bis doppelt-fiederspaltig oder dreizählig doppelt-fiederspaltig und dornig gezähnt. Die unteren sind gestielt, die oberen stängelumfassend.

Die Dolden sind zahlreich vorhanden, dicht und von halbkugeliger bis walzlicher Gestalt und besitzen zahlreiche, linealische Hochblätter. Die Blüten stehen dicht. Der Blütenstand besitzt zahlreiche Hochblätter, die aus den Dolden herausragen. Die Krone ist weiß oder graugrün gefärbt. Die Frucht ist schuppig.

Blütezeit ist Juli und August.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 28.

Ökologie

Der Feld-Mannstreu ist ein ausdauernder Hemikryptophyt (Halbrosettenpflanze), ein Tiefwurzler (der walzlich-spindelförmige Wurzelstock wurzelt bis 2 m tief), ein Xerophyt mit kaum welkenden dornigen Blättern. Die vielen Dornen schützen die Pflanze vor Fraßschäden durch Weidetiere.

Die Blütendolden sind analog dem Blütenstand der Korbblütler zu einem kopfigen Blütenstand vereint. Es handelt sich um Nektar führende „Körbchenblumen“. Die Blütenkörbe sind von dornigen Hüllblättern umgeben. Steif aufrechte Kelchblätter formen „kleine Trichterblumen“. Auf den Gesamtblütenstand bezogen sind die Blüten andromonözisch verteilt: Die Dolden erster bis dritter Ordnung tragen meist nur zwittrige Blüten, die Dolden vierter Ordnung meist nur kleine männliche Blüten. Die zwittrigen Blüten sind vormännlich.

Der Nektar ist nur Insekten mit mindestens 2 mm langem Rüssel zugänglich z. B. Bienen und Schmetterlingen. Fliegen fressen nur den Pollen.

Die Pflanzen sind typische „Bodenroller“ (Chamaechorie-Strategie): Reif werden die Sprosse bei Windgeschwindigkeiten von mindestens 4 m/s an einer vorgegebenen Abbruchstelle am Wurzelballen abgerissen und dann als Ganzes fortgerollt, wobei die Früchte allmählich ausgestreut werden. Verhaken sich mehrere Pflanzen, entstehen mehr oder weniger große „Steppenhexen“, wie sie oft meterhoch – besonders für osteuropäische Steppen – charakteristisch sind. Ausbreitung erfolgt außerdem als Wind- und Tierstreuer (Klettfrüchte). Die Früchte sind Licht- und Frostkeimer.

Vorkommen

Allgemeine Verbreitung

Der Feld-Mannstreu kommt von Nordafrika, Südeuropa und Osteuropa bis Mitteleuropa vor, außerdem im Kaukasusraum und bis zum Iran und Afghanistan. Er ist ein europäisch-kontinental-mediterran-submediterranes Florenelement.

Verbreitung in Mitteleuropa

Eryngium campestre kommt zerstreut bis verbreitet insbesondere im Elbe- und Rheintal (Großer Sand (Mainz)) sowie im Maingebiet vor. Sonst ist er selten. In Norddeutschland, den Alpen und der bayerischen Hochebene ist er nur vereinzelt vorhanden oder fehlt ganz.

In Österreich ist er im Pannonischen Gebiet mäßig häufig, sonst selten zu finden. Die Vorkommen erstrecken sich auf die Bundesländer Wien, Niederösterreich, das Burgenland und Oberösterreich. In der Steiermark und in Tirol sind nur unbeständige Vorkommen bekannt, in Kärnten und Salzburg ist die Art ausgestorben. Im nördlichen Voralpengebiet gilt der Feld-Mannstreu als gefährdet.

In der Schweiz kommt er selten und vor allem im südwestlichen Teil vor.

Standort

Der Feld-Mannstreu siedelt zerstreut in sonnigen Kalk-Magerrasen und -weiden und an Wegrainen und Dämmen. Er bevorzugt im Sommer trockene Böden an warmen Stellen.

Nach Ellenberg ist er eine Volllichtpflanze, ein Wärmezeiger, intermediär kontinental verbreitet, ein Trockniszeiger, auf stickstoffarmen Standorten wachsend und eine Klassencharakterart der Kalk-Magerrasen (Festuco-Brometea). Er kommt aber auch in Gesellschaften der Ordnung Agropyretalia vor.

Pharmakologie, Inhaltsstoffe

Für die Wurzel und das Kraut werden Saponine und wenig ätherisches Öl als Inhaltsstoffe angegeben. Die Wurzel soll geringe schleimlösende und spasmolytische (krampfstillende) Wirkung haben, das Kraut einen (schwach) diuretischen Effekt. In früherer Zeit wurde die Wurzel auch verwendet, um daraus angeblich harntreibende und menstruationsfördernde Arzneimittel herzustellen. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit fehlen, eine beruhigende, husten- und krampfstillende Wirkung bei Keuchhusten ist aber (für Flachblatt-Mannstreu) beschrieben. Über unerwünschte Wirkungen ist nichts bekannt.

Artenschutz

  • Der Feld-Mannstreu ist nach der BArtSchV besonders geschützt.
  • Die seltene Amethyst-Sommerwurz (Orobanche amethystea) parasitiert an Eryngium campestre.

Trivialnamen

Für das Feld-Mannstreu bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Brachdistel, Brachendistel, Brackendistel, Braundistel, krause Distel, ummelopen Distel (mittelniederdeutsch), valende Distel, walende Distel, wallende Distel, wallende Distelmorchen (mittelhochdeutsch), wilt Distel, wolt Distel, Donnerdistel (Wittenberg), Edeldistel, Elend (mittelhochdeutsch), Ellendistel (mittelhochdeutsch), Ellend, Fechdistel (althochdeutsch), Fehdistel (althochdeutsch), Fychdistel (althochdeutsch), Gruntwurz, Hundertkopf, Hauptkopf, Krausdistel, Kraußdistel, Krauswurz, Krussdistel, Laufend Distel, Männertreu, Mannstreu, Mannstreu-Distel, Mansstrü, Marsdistel (mittelhochdeutsch), Mehrdistel, Merdistel, Mörwurzel, Mordwurz, Mortdistel (mittelhochdeutsch), Mortedistel (mittelhochdeutsch), Oerengel, Ore Engel, Orengel, Orengele, Prackelwurz (mittelhochdeutsch), Raddistel, Radendistel, Rodendistel, Schmänkkrokt (Siebenbürgen), Sondereinde, Stechwurzel, Stehwurzel, Stradistel, Unruh (Linz), Valentdistel, Veherdistel (mittelhochdeutsch), Veltdistel (mittelhochdeutsch), Wallendistel, Waltdistel (mittelhochdeutsch) und Woltdistel (mittelhochdeutsch).

Geschichte

Quellen

  • Antike – Spätantike: Dioskurides 1. Jh. --- Plinius 1. Jh. --- Galen 2. Jh. --- Pseudo-Dioscorides de herbis femininis. 6. Jh.
  • Arabisches Mittelalter: Pseudo-Serapion 13. Jh. --- Ibn al-Baitar 13. Jh.
  • Lateinisches Mittelalter: Herbarius Moguntinus 1484 --- Gart der Gesundheit 1485 --- Hortus sanitatis 1491 --- Hieronymus Brunschwig 1500
  • Neuzeit: Otto Brunfels 1532 --- Hieronymus Bock 1539 --- Leonhart Fuchs 1543 --- Mattioli / Handsch / Camerarius 1586 --- Nicolas Lémery 1699/1721 --- Onomatologia medica completa 1755 --- Hecker 1814/15 --- Pereira / Buchheim 1846/48

Historische Abbildungen

Einzelnachweise

Literatur

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4. 
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6. 
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4. 
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3. 
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0. 
  • Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5., stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3. 
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7. 
  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen. Die Flora von Deutschland interaktiv. Sehen – Bestimmen – Wissen. Der Schlüssel zur Pflanzenwelt. CD-ROM, Version 2.0. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-494-01368-3. 
  • Dietrich Frohne: Heilpflanzenlexikon. Ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage. 7. völlig neu bearb. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1897-3.
  • Tobias Jesske: Geobotanische und populationsgenetische Untersuchungen an Eryngium campestre. AG für Vegetationsökologie und experimentelle Pflanzensoziologie, TU Braunschweig, PDF-Datei.

Weblinks

  • Feld-Mannstreu. In: FloraWeb.de.
  • Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  • Feld-Mannstreu. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  • Eryngium campestre L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 31. Dezember 2015.
  • Verbreitung in den Niederlanden [1] (niederl.)
  • Gartenbau:
    • Gartendatenbank.de
  • Bilder:
    • Botanischer Garten der Ruhr-Universität Bochum (Memento vom 22. September 2011 im Internet Archive)
    • Bochumer Botanischer Verein

Woher?

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Echte kruisdistel
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Panicaut champêtre
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Синеголовник полевой
Eryngium campestre [L.]




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