Schneeglöckchen

Galanthus nivalis
Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)


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Das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), auch Gewöhnliches Schneeglöckchen genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schneeglöckchen (Galanthus) in der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Es ist die einzige in Mitteleuropa natürlich vorkommende Schneeglöckchenart und diejenige, die am häufigsten als Zierpflanze in Gärten und Parks zu sehen ist.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Das Kleine Schneeglöckchen ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 7 bis 15 (2 bis 18) Zentimeter erreicht. Dieser zumeist in Trupps wachsende Geophyt bildet 1,5 bis 2,5 × 1 bis 1,5 (bis 2) Zentimeter große Zwiebeln als Überdauerungsorgane aus.

Die Laubblätter sind zu Blütezeit weit entwickelt, geringfügig kürzer bis länger als der Blütenstandsschaft, bläulichgrün oder selten blaugrün gefärbt. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 4,5 bis 15 (26) Zentimeter und einer Breite von 0,3 bis 0,7 Zentimeter lineal bis bandförmig.

Generative Merkmale

Die Blüten stehen einzeln, nickend am Blütenstandsschaft. Die Einzelblüte ist aus einem reduzierten trugdoldigen Blütenstand abzuleiten. Es ist eine verwachsene, weißhäutige Hochblattscheide vorhanden, die aus der Verwachsung zweier Hochblätter entstanden (als Spatha bezeichnet) und eine Länge von 2 bis 3,5 Zentimeter aufweist. Der Blütenstiel ist 1,2 bis 3 (bis 4) Zentimeter lang.

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die spreizenden, äußeren Blütenhüllblätter sind bei einer Länge von 1,5 bis 2 (2,5) und einer Breite von 0,6 bis 1,1 Zentimeter länglich bis breit verkehrt-eiförmig. Die krönchenartig zusammengeneigten inneren Blütenhüllblätter sind bei einer Länge von 0,7 bis 1,2 und einer Breite von 0,4 bis 0,6 Zentimeter verkehrt-eiförmig oder länglich und besitzen auf der Außenseite einen nicht bis zum Grund reichenden grünen Fleck. Die äußere Blütenhüllblätter sind also etwa doppelt so lang wie inneren. Es sind zwei × drei Staubblätter vorhanden. Die 3 bis 5 Millimeter langen Staubbeutel öffnen sich mit Poren. Der Fruchtknoten besitzt eine Länge von 5 bis 6 Millimeter und einen Durchmesser von 3 bis 4 Millimeter. Der Griffel ist 6 bis 8 Millimeter lang. Die Blütezeit reicht von Februar bis März, zum Teil beginnt sie schon im Dezember und dauert bis April.

Die grüne, fleischige und kugelige, die Samen enthaltende Kapselfrucht öffnet sich loculicidal. Die hellbraunen Samen sind bei einer Länge von 3,5 Millimeter länglich bis stumpf und besitzen ein fleischiges Elaiosom.

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24, selten 26.

Ökologie

Das Kleine Schneeglöckchen ist eine typische Frühjahrspflanze, bei der sogar die Blüten frosthart sind. Die Blätter dieses Zwiebel-Geophyten ziehen frühzeitig ein und sind deshalb schon im Frühsommer verschwunden.

Blütenbiologisch handelt es sich um homogame „Glockenblumen mit Streueinrichtung“, mit zuckerhaltigem „anbohrbarem Gewebe“ und mit Nektar. Die weiße Blütenfarbe entsteht durch Lufteinschluss zwischen den Zellen. Die inneren Blütenhüllblätter duften stärker als die äußeren und dienen so der Orientierung der Bestäuber. Der Pollen rieselt auf die sich anklammernden Bienen und Falter herab. Wegen ihrer starken UV-Reflexion heben sich die Blüten auch bei Schnee für die Besucher deutlich vom Hintergrund ab. Bestäuber sind vor allem Honigbienen, die besonders am Pollen interessiert sind, sowie Schmetterlinge. Vor dem Verblühen erfolgt Selbstbestäubung.

Die Samen besitzen ein gekrümmtes Anhängsel (Elaiosom), welches der Ausbreitung durch Ameisen dient (Myrmekochorie). Als spezielle Anpassung an diese Form der Ausbreitung sinken die erschlaffenden Fruchtstandsschäfte zu Boden.

Giftigkeit

Das Kleine Schneeglöckchen ist giftig. Die Hauptmenge der Giftstoffe ist in den Zwiebeln. Dort sind zu 0,09 % Alkaloide vorhanden, wie Galanthamin und Lycorin.

Krankheiten

Das Schneeglöckchen wird von den Rostpilzen Melampsora galanthi-fragilis mit Spermogonien und Aecidien und Puccinia galanthi mit Telien befallen.

Vorkommen

Das Kleine Schneeglöckchen kommt in Frankreich, Italien, auf dem Balkan, in Österreich und der Schweiz, in Südwestdeutschland, in Südpolen und in der Westukraine in Laubwäldern in Höhenlagen von meist 300 bis 600 (100 bis 1400) Meter vor. Es ist bevorzugt auf Kalk zu finden. Im nördlichen Mitteleuropa und in Nordamerika wurde diese Art eingebürgert.

Es gedeiht gern gesellig in Auenwäldern und feuchten Laubmischwäldern auf sickerfeuchten, nährstoffreichen, mild-mäßig sauren, humosen, tiefgründigen, lockeren Ton- und Lehmböden. Es ist eine Mullboden- und Halbschattenpflanze. Es kommt besonders in Gesellschaften des Verbands Alno-Ulmion (Hartholzaue), aber auch der Ordnungen Fagetalia (Rotbuchenwald) und Quercetalia pubescentis (Flaumeichenwald) vor.

Systematik

Es existieren Zwischenformen von Galanthus nivalis mit Galanthus reginae-olgae in Italien und auf dem Balkan sowie mit Galanthus plicatus subsp. byzantinus in der Nordwest-Türkei.

Nutzung

Das Kleine Schneeglöckchen wird verbreitet als Zierpflanze in Gärten und Parks genutzt. Besonders in alten Obstgärten und auf Kirchhöfen ist es verwildert und hat sich eingebürgert. Die Art ist seit spätestens 1568 in Kultur. Es gibt zahlreiche Sorten (Auswahl):

  • 'Atkinsi' (möglicherweise eine Hybride mit Galanthus plicatus): ein oder beide Blattränder sind schwach zurückgefaltet. Die Blütezeit reicht von Januar bis Februar. Die äußeren Blütenhüllblätter sind sehr lang und eines ist oft abweichend.
  • 'Imperati': Blüten und Blätter sind größer. Der Blattrand ist mehr oder weniger stark zurückgerollt, aber nicht zurückgefaltet.
  • 'Scharlockii': Die Hochblätter sind laubartig.
  • 'Flore Pleno': Die Blüten sind gefüllt. Die Sorte ist seit 1733 bekannt.

Trivialnamen

Für das Kleine Schneeglöckchen bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Apralleblämcher (Siebenbürgen), witte Fiolen, Gaisglöckli (St. Gallen), weiße Hornungsblume, Jungfern im Hemd, Märtenblome (Ostfriesland), Märzaglöggli (Luzern, Bern, St. Gallen), Märzenglöckle (Memmingen), Schneeblümchen (Schlesien), Schneeflocken (Schlesien), Schneegaken (Schlesien), Schneegallen (Schlesien), Schneeglöckchen (Weser, Tirol), Schneeglöckli (Bern, St. Gallen), Schneekaterl (Salzburg, Linz), Schneetröpfle (Memmingen), Schneetröpfen (Lauban, Thüringen, Frankfurt an der Oder), Schneeweilen, Schubleemen (Siebenbürgen), Schaiklehkeltscher (Siebenbürgen), Sneeklocke (Unterweser), Swalenswyppesblome, nackend, witte Wiefke (Ostfriesland) und echte Zeitlose (St. Gallen im Rheintal).

Belege

  • G.B.Straley & F.H.Utech: Galanthus Galanthus nivalis, S. 280 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico., Volume 26, Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales., Oxford University Press, New York u. a. 2002, ISBN 0-19-515208-5 (Abschnitt Beschreibung)
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.  (Abschnitt Ökologie)
  • Roth/Daunderer/Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6. Auflage (2012) ISBN 978-3-86820-009-6
  • Eintrag bei GRIN.

Einzelnachweise

Weblinks

  • Kleines Schneeglöckchen. In: FloraWeb.de.
  • Kleines Schneeglöckchen. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  • Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  • Galanthus nivalis L., Karte zur Verbreitung in der Schweiz In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
  • Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
  • Pflanzenporträt Galanthus nivalis, G. elwesii und G. woronowii - Schneeglöckchen (Amaryllidaceae), von Corinne Buch und Armin Jagel. Bochumer Botanischer Verein e.V.
  • Die Inhaltsstoffe des Schneeglöckchens
  • Galanthus nivalis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: Crook, V. & Davis, A., 2008. Abgerufen am 28. April 2014.

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